BRANDNEU 2006!

Samstag, 29. Juli 2006
Guten Morgen!
Ich fliege! Ich bin von Reykjavik in den Himmel geschossen, ich habe Island ueberquert und die Landschaft sieht von oben aus wie Schuppenflechte unter der Lupe. Und ich stelle mir vor, wie auf diesen Steinesteinesteinen am Meer, wo kein Baum ist, ein Schaubudensommer steht. Das saehe fantastisch aus! Und alle Islaender kaemen, alle beide.
Die Idee koennte ich an Aki Kaurismaeki verkaufen. Der ist zwar Finne und voellig ahnungslos, aber die einzige mir bekannte islaendische Kuenstlerin macht jetzt mit ihrem Mann, wo ich immer dachte, er waer schwul, so opulente Kunststreifen. Die haben's raus... Ich ueberfliege Schneefelder, ganz schwarze Felsen mit Wasser dazwischen - vielleicht so gross wie die Alpen! Aber die sind nicht da, da ist schwer vergleichen. Vielleicht sind die Wasserpfuetzen ja grade gross genug fuer einen Fuss?!
Meistens sehen die Sachen klein aus von hier, auch Hans - huch, wo isser? Weg isser. Der hat sich Muehe gegeben und war fleissig. Leider hat er sich eher an so Vorgaben aufgehalten und mit dem Stil, der da war; transaktiv war noch nicht viel. Aber der hat auch immer so viel, ich sag schon immer: Alles einfach Mal runter fahren auf 50%. Aber der hoert ja nicht.
Das tut mir leid. Ich mache mich jetzt naemlich auf. Amerika!
Ich verschmelze mit dem Pioniergeist frueherer stolzer Maedchen, die in Europa keine Perspektiven mehr sahen. Mein Vorteil im Vergleich: Ein Rueckflugticket. Ich komme jetzt gross raus und dann zurueck. Dann mache ich Diaabende mit Bier und ein Wochenendseminar: "Ich schmiede mir ein Glueck". Heiderha! Ich freu mich schon! Ihr auch? Ich winke! Von hier oben ueber Wolken da hin zu Euch in Altmark, Ostsee, Java, Schweden, Budapest! Sucht das Glueck!
Und wer's zuerst hat, gibt den anderen einen aus - im naechsten Jahr beim herrlich selbst gedrehten Gluecksrad aus Theater, Vergnuegen und Musik.
Vivat Dresden! Vivat le Directeur und Frauen mit Pfeffer! Die Kuenstler und Auf- und Abbauhelfer auch!
Und lebe hoch das grandiose Publikum!
Konfetti! Tusch! Rakete! Lacht hell auf!
Alles geht. Das Spiel ist aus!

Liebste Gruesse, Kerstin
(Kontakt zu Kerstin: kerstin@schaubudensommer.de)

Montag, 24. Juli 2006
Schluss jetzt!!!
Letztes Gauklerfrühstück in der Scheune, der einzige, der nicht genug kriegen kann, ist mein Gast aus Berlin, ist auf Jagd nach SchaubüdlernAdressen wie ein Junkie nach dem besten Stoff.
Und davon gabs gestern noch mal allerhand zu sehen.
Cesar und Muriel waren ganz ausm Häuschen als ihre Drachen, Teufel und Hexen lebendig wurden, 25 junge Leute aus der ganzen Stadt hatten wir dazu zusammengetrommelt. Danke Jungs und Mädchen, ihr wart toll!
Fratelli, die KafkaBoys, Buffpapier, Kaspar und Gaya spielten sich noch einmal den Wolf, während Christopher Simpson an seiner Staffelei merkwürdige Interviews zur Arbeitsmoral seiner Gauklerkollegen gab.
Geradezu folgerichtig hing die ganze Brücke wenig später voller Steckbriefe, auf denen ein gewisser Pierrot gesucht wurde.
"Die Exekution des Pierrot" war der grandiose Endpunkt der letzten zwei Wochen Gaukelei - Clowns, die nicht sterben können, Zuschauer, die ekstatisch mit Tomaten schmeißen und unter massivem Einsatz von Sprühsahne Gauklerhochzeit feiern ...
Vorbei, vorbei ... Beim Abendessen bin ich vor den Augen der Schweizer vom Stuhl gekippt. Da war wirklich Schluss.
Mir fällt auch nix mehr ein, macht euch selber euren Reim.

Ich wünsch euch für´s nächste Jahr wieder Kerstin an die Tastatur, sie zaubert nun mal unvergleichlich die Flügelschläge des Schaubudenparadiesvogels auf eure Bildschirme ...

Auferstehung Juli 2007...

Tschüss Hans.

 

Sonntag, 23. Juli 2006
Tja, guten Morgen - nochmals!!!
Ich habe das SonnenAufgangsKonzert der ukrainischen StarPianistin auf der AugustusBrücke verpasst. Wer war Zeuge und kann was berichten, oder hat jemand einen Zeitungsartikel gefunden, den ich in mein Tagebuch einkleben kann?
Tschuldigung, Kerstin, es ist und bleibt natürlich dein Tagebuch - aber du kennst mich ja: kaum bist du ein paar Tage weg, bin ich eine untreue Sau. Gegenwart ist alles - Es lebe der Moment! Ich bin der Deine, wenn wir beieinander liegen, ich würde nie in solcher Lage lügen.

Ja, Leute, die Schaubude hat gestern versucht zu expandieren - ohne Netz und doppelten Boden, ohne das Halteseil der rumpeligen Platzatmosphäre: einfach rein ins Getümmel - KafkaBoys, Fratelli Fiasco, Kaspar und Gaya, Irrwisch, Theater Morwetz, Buffpapier, Pumcliks, Banda Communale, Bre Imbicz, Cesar und Muriel, Christopher - ihr seid Helden, Verlierer, die nur gewinnen können -  eingekesselt von Discomusik, Stadtfestwahnsinn, Fress- und Sauforgien, Schlagerfestival habt ihr kleine Gänseblümchen zwischen den Pflastersteinen hervorgezaubert.
Neun gelbe Leute mit Ölfässern versuchten, den Passantenstrom verstörend zu stoppen - am Ende mündete das im spaßigen Zusammenspiel mit dem Publikum, das die Provokation aufnahm.
Der Isereimer hat seiner Stelzentruppe Kittelschürzen verpasst und Hockey um den Brückenpokal spielen lassen. Der Direktor soll sehr zufrieden gewesen sein - Gratulation!

Halb elf versammelte sich ganz Dresden an der Elbwiese (nur einige wenige hatten Entschuldigungszettel abgegeben), um monströs-schöne Fabelwesen im Dresdner Himmel zu bestaunen und natürlich gabs: (wie kann es in Dresden anders sein) Feuerwerk!
Am Ende sind den französischen Künstlern aus Versehen einige hundert Plaste-Delphine entflogen. Der Fischer hatte zwar den Mond fast gefangen, aber mit den Delphinen hatte er trotz Suchscheinwerfern weit größere Probleme.
Wie Kritish Ärwäys berichtet, haben Passagiere eines Nachtflugs gestern Fische am Flugzeug vorbeischwimmen gesehen; ja, letztlich ist alles erklärbar, auch das Mysterium. Vielleicht sollte ich darüber mal einen Vortrag halten.

Nach dem Gedränge am Königsufer musste ich dann doch mal ins Bett, denn noch immer ist nicht Schluss: Heute noch mal Schaubudenkünstler, Musiker und junge Talente auf der Brücke. Und Derevoten-Anton macht uns zum Beschluss noch einmal den Pierrot.

Ich komme in meinen Wagen - 2-Stunden-Falk hat mir den Strom abgeschaltet und schon das halbe Gelände beräumt  - ist mir egal. Auch wenn ich ne untreue Sau bin, so einfach kann ich nicht loslassen - nicht den SchaubudenSommer mit Rindenmolchstaub und Resteschmodder und auch nicht meine Frau, das GlücksMistStück.

Bis morgen, zum letzten Mal, ihr untreuen Seelen dieser Stadt, die ihr schon wieder längst auf andren Festen tanzt und andre Bräute anbaggert!!! Ich zelebriere meinen Trennungsschmerz, wer Lust mitzujammern: Wir treffen uns heute um 18.00 Uhr zum gemeinsamen In-den-Fluss-Heulen auf dem Scheitelpunkt der Augustusbrücke!!!!

Hans Grimmig.

 

Samstag, 22. Juli 2006
Guten Morgen!
Heidernei, das war sie wohl, die Nacht der Nächte! Und alles schmeckt nach Abschied rings umher. Links liegt ein Berg zerknüllter Schreibversuche, rechts ein Häuflein verrotztes Klopapier.
Während ihr gestern auf der Treppe jubelnd den wilden Künstlern Blumen an die Nasen warft, sah ich ein Stück von Liebe und Gefahr mit Seiltanz und mit Feuerwerk - die Pyromantiker! Manchen von Euch bekannt; sie haben in Radebeul schon das Elbufer abgebrannt. Und außerdem spontan ihren Spielort hier "Hans Krüger - Platz" benannt. Das hat er ja wohl auch redlich verdient, der alte Flieger! Ein großer Moment. Schade, dass Ihr grad nicht da wart.
Ihr rüstet Euch bereits zur Brückenfreude, wo alle, die im Dunkeln glänzten, schwitzend auf der Straße spielen. Noch zwei Tage!
Macht das den Abschied leichter oder schwer?
Ich als frischgebackene Expertin für Schmelzkäsescheidung sage: Einerlei. Es kommt der Tag, an dem der Faden reißt. Ja! Wie schön, dass heute alles passt: Die Schaubude ist aus, die Koffer sind gepackt und meine Grenze ist erreicht.
Ich hab das nämlich heut beim Frühstück mit der Mabo-Band besprochen. Italiener! Die wissen bescheid in der Liebe und ihren näheren Verwandten. Und wenn man einen gemeinsamen Wortschatz von übern Daumen 15 europäischen Vokabeln hat, wird vieles schneller klar: "Warrrum du ex?" "Due femmes." "Schwein." Ganz einfach. Na hop, ich geh durch´s Gartentürchen, in einer Hand mein Glück, unter dem anderen Arm mein Kater.
Tschüß Dresden, alter Sandsteinbrocken! Adieu, Schaubudensommertraum! Ich wünsche Euch ein schönes Brückendrängeln; fallt mir nicht ins Wasser! Und allen: Schöne Ferien!
Einen ganz langen, liebevollen Sommer!
Bei Doofheit hilft: Nicht ärgern. Nur wundern.
Und was trotzdem weh tut, heilt die Zeit.

Alles Glück der Welt wünscht Euch, Kerstin

 

Samstag, 22. Juli 2006
Es ist früh um fünf, ich döse vor meinem SchaubudenWohnwagen, der zur Hälfte Kerstin gehört - Gütertrennung nimmt sie äußerst genau. Durch die rosarote Brille des CidreRausches, zumal in der SchaubudenAbschiedsnacht, finde ich auch das bewundernswert.

Der Direktor hat den SchaubudenSommer wieder äußerst dramatisch zu Grabe getragen, die Pumcliks stimmten einen herzerweichenden Trauermarsch an … und Annamateur hat die diesjährige SchaubudenHymne „La Boheme“ zu einem Gänsehautfaktor gemacht. Wer da „Zugabe!“ ruft, hat nix begriffen. Übrigens: Gitarren-David musste mit zersägtem Daumen heulend zusehen, wie die Diva auf einen alten Kumpel am Akkordeon zurückgriff. Hey, alter Zupfer, lass dir sagen: die Zeit heilt alle Wunden - schau dir des Direktors Lippe oder mein falsches Herz an!
Einige haben trotzdem Zugabe gerufen - und die Diva sprach mir aus dem Herzen: Schweiget still, tanzt euch die Seele aus dem Leib, liebt euch, macht Kinder! …
Ich für meinen Teil habe an diesem Abend wie eine Flipperkugel umherirrend meine Bezugsgruppe gesucht. Als ich endlich mit Flunker-Claudia tanzen wollte, war die Tanzmusik alle.
Legende saß vor meinem Wagen und unterrichtete die Berliner PuppenspielStudenten in Schamlosigkeit, stundenlang ging es um Kotze und Kacke, Mut zu den schmutzigen Seiten des Lebens. Es feierte an diesem Abend auch noch einmal übelkeitserregende Höhenflüge. Findet sich nicht endlich jemand, diesem Mann die Strümpfe zu stopfen!?
Mut zur Grenzüberschreitung war einmal das SchaubudenThema an diesem Abend. Der Isereimer schmiss sich derart ins Zeug und erteilte Lehren in Mutiges Scheitern auf offener Bühne - improvisierte mit den Worten staccato, Holocaust und Zahnausfall zu den Harmonien C-Dur, a-Moll und Es-Dur.
Jango lief auf Hochtouren - verdingte sich als Ansager für alle umliegenden Shows, verkaufte Zwanzig-Euro-Scheine und verteilte Pizza mit einer Geberlaune wie sonst nur Zärtlichkeits-Cordula beim Umherschmeißen von KonkurrenzVeranstaltungsFlyern.

Die  Zelte platzten vor Überfüllung. Viel Spaß beim Nähen, Falk! - Ex-Praktikanten-Dagmar steht für solche Arbeiten nicht mehr zur Verfügung, lässt sie ausrichten.
Überhaupt - Menschenmassen, es ging zu wie beim Sommerschlussverkauf beim Einlösen der letzten Tickets - Kerstin: ein wenig Fussgängerzone also auch hinter der Scheune.
Am Ende gabs weder BirnenCidre noch ZitronenLimonade - was also trinken???
Fragen über Fragen früh um fünf. Ich schlucke Abschiedstränen. Ein neuer Barde hat das Klavier im SchaubudenCafé gekapert. … Nicht aufhören, bitte!

 Hans Grimmig.

Freitag, 21. Juli 2006
Guten Morgen Neustadt!

Ich bin’s - Hans, der Mann von Kerstin (Sie legt jetzt wert auf das EX vor dem Mann - ist mir egal.) - Gestern bekam ich eine sms von ihr aus Rheinland-Pfalz, wo sie gegen harte Währung Glück verscherbelt und sich von Chemiefabrikanten und Kulturunternehmern Cocktails und Rheinwein spendieren lässt. Originaltext: "Hallo, ich finde, wir sollten ab morgen beide schreiben. Du als Vorortmensch, ich als Besserwisser mit Abstand. Also eigentlich schreibst du, aber ich mache eine kleine Note, ohne dass wir den Text vom anderen kennen. Ich hab dich bereits angekündigt. Machst du mit?" - Kneifen iss nicht - gut, ich mache mit, auch wenn ich gestern so müde war, weil ich die ganze Nacht vor Kerstins Haustür gewinselt hab - egal.
Bin eher traumwandelnd über den Platz geschwebt, getorkelt und getänzelt, aber wollen wir nicht eigentlich alle genau in diesen Zustand gelangen in diesem Rauschpark der Sinnestäuschung? - Bei Irrwisch  hab ich wegen Übermüdung süß geschlummert - meine Zweitfrau meint, dass das ein Zeichen von Vertrauen ist - in jemandes Gegenwart einschlafen. Und die Jungs haben mein Vertrauen - schon als sie so zart Klopapier aufwickelnd die Bühne betraten - drei Figuren aus einem Victor-Hugo-Epos - unangestrengt und gelassen Bilder spielend .- immer wieder schaute ich aus meinem Nickerchen auf und wurde mit neuem Traumstoff versorgt - fliegende Papierfetzen über einem Lied schwebend, Klopapierwirren wie ein Bild von Cy Twombly.

Auf dem Platz herumtapernd fehlte mir mein Glückstück, weniger Glück - weniger Licht - muss mal mit 2-Stunden-Falk sprechen: wenn sie nicht da ist, brauchen wir mehr Beleuchtung aufm Platz. Wird dem Direktor nicht gefallen, diesem Authentizitätsfanatiker: " Die Lücke soll man ruhig spüren!", hör ich ihn sagen. Unser Direktor ist ein weiser Mann, auch wenn er manchmal eine dicke Lippe riskiert, oder gerade weil er eine dicke … Jedenfalls hat er für die letzten beiden Tage ein Schlafverbot herausgegeben, wenn ich es richtig verstanden habe. Der Mann versteht etwas von wahrhaftem Rausch.

 Jango hat gestern im Zelt gespielt - steht ihm besser als der Saal, find ich - back to the roots! Einige mögen sein Schulterklopfen nicht, die Legende Hans Krüger macht deshalb immer einen großen Bogen um ihn. Psycho-Brettl ist da schmerzfrei, hat zurückgeklopft und Jangos Brusthaar gekrault. Auch 2-Stunden-Falk hat sich jetzt mit dem King of Fools angefreundet, und meint, er macht gerne alte Clowns glücklich. Ich hab Schwanzvergleich mit Jango gemacht - hm. Hat mir Mut gemacht, mich aufm Platz nach Dritt- und Viertfrauen umzuschauen, die Katze iss ja ausm Haus. Einige schöne Exemplare, die auch alle sehr nett waren, doch haben sie dann nur kritisch wissend  auf Kerstins Ring geglotzt, den ich blöderweise aufgesteckt habe und nun nicht wieder abbekomme.
Also setz ich mich zur Legende und den Cordula Zwischenfisch, (Die beiden wohnen jetzt in WG in der Louisenstraße.). Wir trinken Zitronenlimonade, zum Glück war Whisky-Jim nicht in der Nähe.

Bei mir hat sich seit Tagen ein Berliner Schauspieler im SchaubudenWohnwagen eingenistet - auf der Suche nach Inspiration hält es ihn hier fest - ein Traumgestrandeter, der irgendwie versucht, künstlerisch Kapital aus seinem SchaubudenTourismus zu schlagen.

Apropos Berliner - die Puppenspielstudenten sind tapfer und irren von Vorstellung zu Vorstellung immer wilder durch den Wald der Liebe.
Mein Besuch schwört auf die Legende, und Kaspar und Gaya haben ihn zum Clownstheaterfan gemacht, zum Glück ist der Cellist weg, der hat ihm stets den Neidgeifer zwischen die Zähne getrieben..

Die MitternachtsShowFetzen, die zu mir drangen, waren rührend: Theater Fahrendes Volk, Annamateur, Gitarren-David, Pumclicks auf einer Bühne … Schaubude kann so schön sein! Und träumend torkelte ich zum 2-Uhr-Sonderflug mit Kritisch Ärways - und im Karibik-Sandkasten angekommen, tanzten wir alle den SchaubudenLimbo: die Flunkers, 2-Stunden-Falk, der Isereimer, mein Besuch, die Legende, Cordula, Erfolgs-Andrea und lauter nette Gäste … Kerstin, du fehlst hier. Ich liebe dich.

Hey, Leute, das wird die letzte Nacht heute - kommt auf den Platz - drückt freudestrahlend einen Euro und eine Träne ab und mehrt so unser Kapital auf der Tand-und-Rumpel-Bank!!!
Alles zum letzten Mal!
Ist doch egal alles!!! ALLES, WAS MAN TUT IST GUT. ICH HAB ZU VIEL WASSER IM BLUT. - Wie ein alter Freund von meiner Frau, der hoffentlich im nächsten Jahr auch hier dabei ist, singt.

Apropos Wasser:
Natürlich ist heute Abend nicht wirklich Schluss - die Schaubude zieht für zwei Tage auf die Augustusbrücke!!! Zum Schluss heulen wir in den Fluss und hoffen auf den nächsten SchaubudenSommer, -Winter, - Frühling - mal sehn.

Schönen Rausch! Hans Grimmig.

Freitag, 21. Juli 2006
Guten Morgen!
Uaaah... wohlig räkelt sich das Glück im swimming pool des Hotels und planscht mit den Zehen. Behaglich ist´s, ein Höhenflug; der wo hier der Direktor ist, bringt mir ein eau mineral ohne Blubber an den Beckenrand. Danke!
Da höre ich, wie eine Stimme mit niederländischemAkzent in die innere Leere hallt: " Fußgängerzone. War es das, was wir wollten? Lieber in Dresden den Arsch ab arbeiten." Das ist Jaap Slagman und seine Worte erinnern mich an die mir inne wohnende Kulturkritik.
Ach ja! "Illegales Theater via internet, die Welt braucht Lagerfeuer!" Jetzt übertreibt er, aber im Grunde stimmt ´s: Sicher, sie säugen mich mit Champagner und lullen mich mit Huldigungen ein - aber wo sind nun die, die mir am Herzen liegen, hä? Teilweise hier. Zum Glück! Georg "Hikoku Gumo" Traber vom letzten Schaubudensommer läßt grüßen! Jaap auch.
Überhaupt, wenn ich in Künstlernähe "Dresden" fallen lasse, blinken alle Augen auf: "Schaubudensommer", raunt die Szene, "wir wollen auch da hin!" Wenn ich dann sage, dass ich den Direktor persönlich mag, dann hab ich noch mehr Freunde. Die halben Fritten "Theater Pikante" z.B. & "Duo diagonal" und "oko sokolo", die wollen Euch alle auch gern kennen lernen!
So gestärkt mit frischer Zuneigung vergesse ich meine Sehnsucht und den Kummer, rüste mich zur Schlacht - neue Stirnlichtbatterien leg ich ein (Schnauze, Po, Schnauze) fürs Duell mit der großen, gelben Sau. Pfalz. 35 Grad. Die Frisur - perfekter Halt. Und finde allein, verloren im Gepäck das WM - Finale 2006. Als Tschechien beinahe Weltmeister geworden wäre.
Da zieht ein mittelgroßes Schnief die Nase hoch. Hach! Ich trete an, ein spirituelles Band durchs Land zu spannen, ich hänge Glückstückchen daran und schicke sie von hier nach da. Viel Glück!

Bis morgen! Kerstin

 

Donnerstag, 20. Juli 2006
Guten Morgen!
3 Stunden - Kerstin sagt "Hallo".
Ich rausche durch Thüringen Richtung Grenze, vorbei an Brunnenkressefarms, der Blick ist weit, ich hab was übrig für das Land.
Ich musste heute Nacht noch packen, das war so spät, o je. So spät, dass 2 Stunden - Falk sogar den Schweden das Maul stopfte irgendwann. Anna-Maria hat den Hula-hop- Reifen von Sirqus Alfon abgestaubt und schwebt. Sie hat eine offenbar eine skandinavophile Seite.
Die Berliner Puppenspieler sind da! Die jungen sehen selbst hip aus & sind es auch & genauso sind ihre Puppen. Hans Krüger sieht wie immer aus, gestreiftes Hemd und so.
Heute kommt Theater Irrwisch! Ich glaub, das sind jetzt echt die letzten. Und mit die besten! Sagt mir mein Instinkt.
Also, ein durchaus beherzter Versuch, die Glückslücke des Platzes aufzufüllen - hoffentlich gelingt ´s! Hab gestern schon mal vorgearbeitet für alle Fälle. Glück auf Vorrat ist aber schwer, hält sich eigentlich nicht, man muss es immer gleich nehmen, wie es kommt. Mich gedreht wie ´ne Bekloppte, zwischendurch Fusseln vom Mund gezupft, der Busen sank, das Herze hupft.
War schön. Ich sag Euch Danke!
Aber eins furchte mir eine Dackelstirn: Ich wollte auch in die Mitternachtsshow! Anna-Maria hat mich mal gefragt, da war ich completement begeistert - ich und Bühne, o lala! Aber sie hat es vielleicht nur so gesagt. Aus wasweißich. Sie haben jedenfalls das Café Central so zugebaut mit fauteuils und Mewnschen, dass ich nicht auf 20 m an die Bühne rankam mit meinem Rock, ach ach. Ich hab mir dann sehnsüchtig die Nase am Aquarium plattgedrückt. Gehört ja eigentlich auch mal dazu, das Glück draußen stehen lassen und einen Clown sterben sehen. Ja, das Vergnügen kennt kein Gut und Böse! Das rauhe Gesetz des Abenteuer - Lebens. Und so eins darf ich wohl stolz mein eigen nennen. In diesem Sinne geh ich jetzt bunte Glasperlen gegen harte Währung tauschen bei Glücksbedürftigen in Rheinland - Pfalz.
Ich musste den Zärtlichkeiten mit Freunden "adios amigos" sagen und Cordula in die Hand hinein versprechen: Kein Wort von seiner vom Ausstreben bedrohten Darmflora. (Ja, wenn ´s um entertainment geht, bin auch ich ein gewissenloses Schwein.)
Apropos, mein Ex tut wieder so, als wär nix. Lächelt, geht für mich Bier holen und gibt mir dauernd recht. Na ja, ich bin nicht doof und mir ist klar, was er die nächsten Tage treibt, wenn die Katze aus dem Haus ist. Darum hab ich mir eine gute Idee ausgedacht: Soll er doch als vor-Ort-Korrespondent meine Berichte peppen! Solang er rackert, baut er keinen Mist. Na denn! Ab morgen gibt ´s xy - Geschreibsel und ich halt schützend meinen Daumen drauf.
Hallali, das wird ein Spaß...

Bis morgen, Kerstin

 

Mittwoch, 19. Juli 2006
Guten Morgen!
Heidernei, was war das für ein übervoller Abend! Ihr habt ´s gemerkt, ich hab schon wieder frei gemacht. Das ist das Schöne am eigene Dame sein: Frei oder schaffend, wähle selbst. Gestern hab ich mich einen regelrechten Glubschrausch rein gesteigert, ich bin völlig ausgelaugt...
Dafür gibt ´s heute erst Hand - Berichte und zunächst: Das Neue!
Heute kommt Hans Krüger vom Theater Zinnober aus Berlin. Er ist ein Meister des Objekttheaters! Ein völlig freiwilliges Muss! Er fliegt mit einer selbstgebauten Kiste durch das Zelt. Ein Herzensspieler, und Zinnober ist übrigens längst Gegenstand des Lehrplan am Institut der Dipl.Pupp.s.
Vier von da, die das Diplom noch vor sich haben, also noch eifrig Krüger büffeln, kommen heute auf den Platz: Die Ernst Busch - Hochschule, Abteilung Puppenspiel gibt heute Shakespeares Sommernachtstraum. Das hab ich selbst gesehen und kann sagen: Das ist Ausbildungsoffensive. Gelernt ist gelernt.
Von Jango Edwards hab ich viel gehört, der Mann war Thema gestern, erhitzte die Gemüter. Was passiert, wenn ein weltberühmter Clown sich nach über dreißig Jahren Revolution, Karnevalsorden, Spitzespitze behaglich auf sein verdientes Lorbeerkissen setzt - und das in einer Stadt, die ihn vom Hörensagen kennt (Revolution, Pokale usw.). Klassische Etüde: Man setzt sich wohlig seufzend hin ins Leere. Rums! Da war kein Stuhl, man fällt. Der große Jango fiel plautzend auf die Fresse. Genau im Sturz steckt Clownenkraft: Ein Teil bleibt liegen, der andere rappelt sich, tritt einen Schritt zurück und lacht. Ich wünsche Glück und schlage mit den Flügeln, dass wir hier Zeugen dieser Häutung werden. Das wär toll! Clownsgeburt im Kreißsaal der Scheune! Ein Kind der Liebe unseres Publikums.  Klappt Eure Hände! Macht es wahr!
Ich selbst hab mir viel junges Fleisch beschaut: Die Zärtlichkeiten bieten heute ein brandneues Schwermetall - Programm. Bulle & Stulle sind schon wieder nach Hause. Aber es freut mich, dass ich Mitbekommer ihres brutalen Vorgehens und ihrer rücksichtslosen Kunstauffassung war.
Sirqus Alfon sind auch von drinnen laut. Und machten mir gewandt und klasse klar, meine Teeny - Zeit ist so dermaßen vergangen, dass sie schon wieder als Thema parodistischer Musikshows taugt. Ja, ja, da nützt das Weinen nix, die Jugend sagt zum Abschied leise Servus, die Menopause schleicht von hinten ran.
Aber auch alte Knacker sind oft lustig: Fratelli ist ein kleiner Held. Er überstrahlt das süßliche Ambiente mit rhythmischer Präzision und sein Gesicht hat den Spielraum eines Fußballfelds.
Theater Fahrendes Volk sind richtig Bühne. Das fand ich gut! Besonders das Trommel - UFO, das sog. Han, Häng oder Hang. Wer hat ´s g´macht? Die Schweiz! Tolle Ideen hat die.
Provokant fand ich Psycho - Brettl. Das ist eine sehr konsequente Art, mich zu belasten, dacht ich. Und thematisiert auf schmerzhafte Weise, rücksichtslos gegen sich selbst, mich und Alfred Hitchcock, tiefe Fragen:
Warum Dramaturgie? Was ist Ästhetik? Wozu Puppenspiel?
Sehr nihilistisch, aber spült das Hirn durch. Vielleicht war der Elektro - Schocker doch geplant?! Jörg "Abramovic" Brettl. Wow.
Apropos, Brett - Pitt hat gestern toll gesungen. Männer sind oft anrührend.
Mein Verflossener hat versucht, den Ehering (Mahner ruchlosen Eidbruchs) zu entsorgen, indem er ihn vom Fenster in den nächtlich´ Garten warf.
Am Morgen kam das Nachbarsblag mit: "Guck mal, hab ein Ring fund." Jetzt isser wieder da. Er macht mir auch in einem fort Geschenke, das falsche Aas. Vom Direktor weiß ich, dass er auf meinen Posten schielt. Nur, weil ich morgen Glück in die alten Bundesländer bringe, will er BRANDNEU sein. Ach, why not? Wie gesagt, im Scheitern liegt Entwicklungskraft.
Warum der Direktor mir das petzt, kann ich nur spekulieren. Vielleicht ein Aufrichtigkeitswahn? Immerhin zieht er seit Tagen allabendlich mit dem Kötzschenbrodaer Kantor rum. Oder er will das Feuer schüren, Skandale, noch mehr indiskretes Zeug?
Na gut: Mein Mann liest jetzt mit einem Mal die Bücher, die ich seit Jahren im Regal stehen hab: "Die Wolfsfrau", "Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer", "Kerstin Bruchsal. Briefe und Tagebücher". Und will mir das als letzten Schrei verkaufen. Ich seufze still, ich lächele: Mühsam ist ´s, doch nicht vergebens. Ich kämpfte, Ihr leichtlebigen Maiden, damit Ihr ´s mal besser habt.
Ja, ein kleiner Jango steckt in uns allen. Und nun frisch auf, Stiefel gelackt, hinein ins Glück und weiter drehen! Hurra!

Bis nachher, Kerstin

 

Dienstag, 18. Juli 2006
Hola que tal?
Erwache und lache! Der Sommermorgen hängt wie ein frisch gespanntes Schlappseil überm Platz. Jim Whiting hat mich gestern vom Aperol weggebracht!
Wir saßen auf der Mauer und tranken Dimple. Er kennt so herrlich haarsträubende Geschichten! Die Star-Pianistin fürs Brückenfest war da. Bei ihm auf seinem Sofa ist der Dame dann aber der Kragen geplatzt. Holla. Und ein Ohrring ist weg. Ja, alles kann passieren beim Flirt von Underground und Hochkultur.
Aber noch haarsträubender ging ´s Jörg "Psycho" Brettl - der hat beim Lichterketten mit Puppen dekorieren neugierig in eine Fassung rein gepackt. Voltini open air, gewisser Maßen.
Cordula Zwischenfisch ging ´s auch nicht gut, daher hab ich die große Freude, die "Zärtlichkeiten" noch mal vorzustellen: Heute starten sie! Rockkasperett mitten ins Herz.
Und Zipperlein sind hier gut aufgehoben; die Künstler tauschen mittlerweile Dopingmittel, hömöopathische Kullern und Spritzen wie andernorts Visitenkarten aus.
Besonders wirkungsvoll ist offenbar das Mückenzeug von den jungen Schweden -
Anna-Maria kann wieder singen! Dr. Hans Grimmigs Lichtbildvortrag wurde glatt zum Daumenkino und noch heute hat er mit Kasper LKW-Anhänger durch die Stadt getragen. Übermut! Doch aufgepasst: Heute ist wieder Bulle & Stulle-Razzia. Bis dahin muss das Zeug weg sein. Haut rein!
Apropos, Fanu Zaphir kann auch ganz toll Klavier spielen! Warum rettet die eigentlich nicht die Mitternachtsshow? Vielleicht mach ich das heute. Nach gestern ist Scham ja wohl kein Thema mehr. Aber ich kann kein Mikrophon. Vielleicht zeigen mir Sirqus Alfon, wie das geht? Die können Mikro, das hört man. Angeblich sind sie toll. Aber ich hätte gestern fast meine Stimme zum Anwohner verstellt und Bulle angerufen. Im Nachbarzelt hat Miaulina trotzdem Zugabe gespielt; Nerven wie Zahnseide und Samt, die beiden. Und verglitzern dann einfach in der Nacht...
Mir ist noch ein Paradoxon passiert: Auf der Schaubude ein bleibender Wert! Der Cellist hat mir ein Autogramm gegeben. Dann lächelt er und fährt mit seiner Perle nach Kroatien... Das wiederum folgt dem Naturgesetz.
Sind tolle Seelen auch nachwachsender Rohstoff?
Na denn: Lass ´n zischen, Gott sorgt für ´n Frischen.
Die Hoffnung bleibt bis ganz zum Schluss und macht das Licht aus.
Und auf dem Heimweg erzählt sie einen Witz!

Bis später dann, Kerstin

 

Montag, 17. Juli 2006
Mooorgen!
Ich bin eine 4 Stunden-Kerstin heute; die 4 bezieht sich auf die Dauer meines Nachtschlafs. Das ist bei 12 Stunden-Falk genauso - die 12 ist absoluter Platzrekord! Aber schon alt. Er ruht sich aus auf ollen Kamellen, vertändelt seine Zeit bei Jim zum Beispiel, anstatt mit in die Heia zu gehen. Daher kann man ihn im Bildschirm des Fotosalons bewundern: Falk ist der mit sehr angezogenem Kinn.
Zum Thema hochgezogene Mundwinkel hat der Direktor Unglaubliches erlebt. Er war so aufgeregt, er zitterte beim Sprechen: Fratelli Fiascos Zwergenshow war zuende, die Jurtentür geht auf und draus heraus treten lauter glatzköpfige, blasse, junge Russen. Und - glaubt´s oder nicht - sie lächeln! Der Direktor ist Zeuge von etwas ganz Großem geworden, denke ich. Ob Fratelli weiß, was für eine tiefgreifende Veränderung er in der europäischen Tanztheaterszene möglicher Weise ausgelöst hat? Ich denke schon. Es heißt, er habe in jungen Jahren selbst ein Derevotenherz berührt. Ein Magier! Dann kamen gleich Gerüchte auf, die Truppe würde gar demnächst einen Ausflug machen - einfach so! Vielleicht hat sich da aber auch nur jemand wichtig gemacht.
Ich war jetzt selbst Salzblumen pflücken. Und muss schon sagen: Toll. 80er Jahre science fiction, ein blondes Untier am Schaltpult strebt nach Weltherrschaft und zwischen alt- & neumodischen Klängen fallen alt- & neumodische Worte wie "Freundschaft...ich gehöre zu dir...ich scheitere täglich an ihrem Desinteresse" - aber ausgesprochen mit einer autentischen Stimme, so völlig ungeschützt und völlig unanttastbar, wie die Jugend halt ist.
Aber: DAS ENTSETZEN GEHT WEITER!
Anna-Maria ist die Stimme geklaut worden!
Ich hatte erst Angst, sie träte nur mit Blockflöte auf. Aber sie kam nur mit ihrem Cellisten und Guitarristen und ohne sich. Also, die waren toll. Den Cellisten fand ich fast am tollsten, meineherren!
Cello ist einfach das sexyere Instrument, die angesprochenen Resonanzräume liegen tiefer, sorry, David.
Herr Böswetter hat spontan moderiert und ist fantastisch hingefallen. Miaulina hatten Einstand in der Mitternachtsshow. Ich bin Fan von den beiden (s. www.schaubudenwinter.de).
Ich hab erste kritische Stimmen gehört von wegen Platzgröße und Café-Kubus seien disproportioniert. Eine davon ist von mir. Ich will wieder eine Schaukel haben! Mehr Terrassen nächstes Mal.
Utz Pannike hat behauptet, es war ein gut besuchter Abend, sie hätten sich ´ne goldene Nase verdient. Ich wollte mich natürlich nicht lumpen lassen und hab von meinem massiv metallenem Busen erzählt! Da hat er geguckt!
Schön! Über vierzig und immer noch ein Körnchen Naivität in der SA-Manteltasche... Insgesamt wurde ich auch ein wenig lockerer. Und fragst du mich, was mit der Liebe sei - so sag ich dir, ich kann mich nicht erinnern. Irgendwas mit Aperol und dann was Weißes von oben, keine Ahnung.
Hach! Na ja.

Bis allsogleich! Kerstin

Sonntag, 16. Juli 2006
Einen wunderschönen Sonntagmorgen!
Noch verschlafen? Kreislauf unten ? Elektrolyte - was ist das?
Ich bringe Blutdruck erhöhende Kunde, virtuelles Adrenalin!
Heute spielen zum letzten Mal:

Die Flunkerproduktionen das "Erfolgstück" -
das allseits Eindruck schinden konnte mit Liedern, Puppen, tiefem Gang

Das panische Nottheater mit den Trash-Thrillern
"Rumpelstilzchen"
und
"Das blaue Licht"

Die Rostock-Stars mit "Platonow"

Slagman - Produktionen mit "Pop up!"

& - ebenso zum LETZTEN MAL -
das glamouröse, faboulöse
Franz Lasch - Ensemble!!!

Na? Da pochen die Schläfen, was? Jetzt langsam entspannen, die Kasse öffnet kurz vor acht, Ihr habt noch jede Chance, geduscht hier aufzukreuzen.
Wenn all die gehen, was soll denn dann noch kommen?
Einfache Antworten auf umfassende Fragen:
MORGEN! (morgen, nur nicht heute...) haben wir für Euch frisch am Lager:

Die Zärtlichkeiten mit Freunden,
meine Lieblingsband!
Sirqus Alfon aus Schweden!
Jörg Brettschneider in "Psycho"!
Die Bleibe-Stars Flunkerproduktionen mit Miaulina-Wonnepop
Dr. Hans Grimmig verhält sich öffentlich richtig!
Und natürlich "Stulle und Bulle", wie gesagt.

Christopher H. Simpson träumt endlich für uns. Das hat mir richtig gut gefallen! Er wurschtelt sich in einem fort durchs Bett ohne Schnitt! Wie in "Cocktail für eine Leiche"! Ganz großes Kino.
Und Jim ist fast fertig mit aufbauen. Leider können manche ihre Fotos erst nächste Woche abholen. Es fehlt Fotopapier! Bringt gerne Eure Vorräte mit, so 120 g, glänzend, das wär fein.
Übrigens gibt’s eine Männergruppe auf dem Platz. Ich bin durch Zufall in das Wespennest getreten: Ich kam dazu, wie sich der Direktor, 12 Stunden-Falk und noch so einer was erzählten. Als ich ankam, zuckten sie zusammen und der Direktor tönte, er wär beim Duschen ausgerutscht und daher käm die dicke Lippe. Aber ich glaub eher, die hat etwas mit seiner Frau zu tun. Die hat Pfeffer. Vier Stiche! Ach, ach, er dauert mich ein bisschen.
Gäbe es universelle Gerechtigkeit im Weltraum, sähen ganz andere so aus.
Mein Ex-Mann sagt, ich soll es nicht persönlich nehmen, wenn er woanders drin steckt. Das geht nicht gegen mich. Ich hab mich da ganz doll hochkonzentriert, sogar geschielt und dann gedacht: Kerstin, gib´s auf. So helle bist du nicht.
Wenn ich das nicht mehr persönlich nehme, dreht mich auf den Rücken.
Aber noch ist es nicht so weit!
Heissa! Die Welt zerplatzt zu 1000 bunten Stücken!
Ein Feuerwerk aus Liebe, Lust und Leid!

Bis gleich, Kerstin

 

Samstag, 15. Juli 2006
Guten Morgen, Ihr Lieben!
Heute Abend erwartet Euch das Theater Fahrendes Volk mit Franze Kafkas "Bericht für eine Akademie". Endlich! Das bringt den akademischen Touch ins Volksnahe Treiben.
Und Jim Whiting ist da! Ich kenne keinen Künstler, der so toll ist und dabei so hemmungslos von anderen Künstlern schwärmt. Was für ein Mann. Ihr könnt ihm beim Basteln zuschauen & mit ganz viel Daumendrücken gibt´s heute schon die ersten Fotosessions. Daneben öffnet Mr. Simpson dann seinen Traumcontainer – viel schnelles Glück zum kleinen Preis. Da werd ich mich ganz schön drehen müssen!
Gestern war ein ruhiger und doch erlebnisreicher Abend:
Erst besprüht mich Herr Heribert Dorsch mit blondlockigem Testosteron, dann durfte ich einem glücklichen Bürgerpaar für wenig Geld einen gebrauchten Hut verkaufen, lernte ein Vorzeige-Wende-Drogen-Opfer kennen und zum Schluss tanzte ich mit einem schüchternen Bürschlein von 7cm.de auf dem Platz Minuett.
Und zuallerletzt gab´s Schumann´s Aperol, den hab ich aber selbst bezahlt.
Und nach all dem sagt Heribert: "Langweilig. Ich geh ins Bett." Versteh einer die Männer. Mysterien.
Aber schöne! Zum Beispiel das Theater La Pushkin, das Ihr nun mehr verpasst habt (oder nicht?) . Für mich war das die schönste Show, ich bin immer noch geschüttelt und gerührt. Tschüß! Viel Glück in Ungarn! Macht et joot!
Wir bleiben hier und feldforschen fort zum Thema Glück.
Nach gestern hab ich das Gefühl, ich sollte das auch theoretisch unterfüttern. Daher hab ich heute gleich Literatur bestellt: "Actresses and whores", Cambridge 2005. Die diskursive Prießnitzrunde brachte neue Fragen auf:
Sollte man, anstatt zusammen schlafen, nicht lieber miteinander wach sein wollen?
Warum verlieben sich Deutsche in Südländer, aber nie umgekehrt?
Und: Sehen wir uns gleich? Ja? Jajajaja!

Bis bald, Kerstin

 

Freitag, 14. Juli 2006
Guten Morgen!
Oh, das Leben ist eine zeitlich zusammenhängende Abfolge von Irrtümern:
Ich glaubte, gestern würde es regnen, und nahm mir vorsorglich den Abend frei.
Und heute will ich mich glücklich drehen und der Himmel grimmt, wie es sonst nur das Panische Nottheater vermag! Pah, ich lasse mich nicht schrecken. Heute bin ich für Euch da.
Denn - das war das Schönste am gestrigen Abend - ich sah Euch, all diese Menschen, sanft, eigen und schön, und wollte allen ständig Glück verkaufen! Aber in Zivil sind solcherlei Angebote kinderleicht mißzuverstehen.
Also musste ich stillschweigen und glubschen, wie zwei ganz zarte Menschen im roten Chapiteaux zu Pumcliks-Klängen die Wartezeit mit Tangotanz verzauberten. (Auf Pumcliks oder Buffpapier zu warten ist sowieso gut angelegte Zeit - sie sind es wert!) Wie ein Paar jenseits der Lebensmitte auf einem Plüschsofa sich zart durch graue Haare strich. Wie Annamateurs kardiologischer Gesang die Körper rings um mich zum Beben brachte, und Blicke sah ich, schwelgerische, ach.
Die Menschen! Gar nicht so übel.
Ah, die Sonne, da isse!
Juchuh! Da verkrümelt sich die Melancholie ins Wetterhäuschen, der Lebensdurst tritt fit heraus:
Heute seht Ihr zu letzten (!) Mal das Theater La Pushkin unterm Dach. Tanztheater, aber Humor.
Dass Annamateur ab heute auch richtig Bühne macht, hat sich vermutlich längst herum gesprochen?
Die Schauspielschule von der Ostsee ist da! Wo man glaubhaft vorgeführt bekommt, wie zwei hinreißende Frauen einem Windbeutel verfallen.
Und daneben gibt´s Pop Up! Von Jaap Slagman und Danny Molenaar. Nur bis Sonntag könnt Ihr die two-Jacks-in-the-box hier sehen. Und dazu gibt´s backstage-Info: Was die Zwei treiben, ist nicht festgelegt! Versteckte Improvisation! Schwierigste Artistik und keiner merkt´s! Warum sie das tun, weiß ich nicht. Da muss ich noch mal fragen.
Was kommt, was geht?
Tschüß, Debbsch und Lebbsch!
Hallo Franz-Lasch-Ensemble!
Noch eine Frau, die besser singen kann als ich. Und ihr Vermögen gerne mit uns teilt. Geht hin! Aus der Ufa-Metropole Babelsberg kommen die Performer altdeutscher Chansons und versöhnen mit dem soundtrack einer zweifelhaften Zeit.
Statt Debbsch und Lebbsch gibt´s Montag/Dienstag übrigens "Stulle und Bulle". Nochmehr Eleven, dieses Mal aus der grauen Rose Leipzig! Wenn das so weiter geht, ist die Schaubude bald ein Ausbildungscamp.
Die Salzblume ist jetzt übrigens besser zu verstehen. Dank unserer crêmedelacrême equipe technique. Applaus!
Und: Die Blockflöte ist frei!
Sie wurde gefunden mit Klopapier im Mund. Sie muss Schreckliches mitgemacht haben! Oder sie klang schon immer so. Die Mitternachtsshow ist jedenfalls gerettet.
Aber:
Wo ist Jim Whiting?
Warum planscht Christopher H. Simpson im Aquarium, anstatt für uns zu träumen?
Warum lieben die tollsten Frauen die mutlosesten Weicheier? Hä?
 Der Morgen ist klüger als der Abend,
aber er hält dicht.
Nicht Sinn, doch Sinnlichkeit
Verspricht das Mondenlicht.

Bis später, Kerstin

 

Donnerstag, 13. Juli 2006
Guten Morgen!
Ich liebe Euch alle & ich bin gerührt & lastly I want to thank my wife.
Ui, ich berühre die Tastatur heute mit ganz anderer Ehrfurcht. Nie hätte ich geglaubt, mit einem Aufruf online solche Wirkung zu erzielen! So viele sind meinem gestrigen Ruf gefolgt und belebten den Schaubudenplatz wie wohl noch nie an einem Eröffnungsabend.
Ich fühle mich wie der Zauberlehrling und schwelge noch ein Weilchen in Allmachtsgefühlen.
Schwelg.
Mal sehen, ob es heute klappt. Esst das: DEREVO spielen heute bereits zum letzten Mal! Nur noch heute gibt es die Chance, den Knollenvermehrenden Ordensschwestern und -brüdern zuzusehen, wie sie ihre jugendlich-leichtsinnige Entindividualisierung auf der Bühne relativieren.
Apropos Individualität: Annamateur ist sauer. Ein anonymes Individuum hat ihre Blockflöte geklaut. Das deutet auf ein extrem perverses Täterprofil hin, möchte ich meinen.
Außerdem musste die Diva ganz alleine mit Jaap Slagman stage diven. Cie. Buffpapier waren zu schüchtern für die Mitternachtsshow. Aber als alte Häsin kann ich sagen: Immer gleich ruff uff die Bretter, das Lampenfieber wird sonst schlimmer!
Na, heute sind se dran.
Fratelli Fiasco wurde sehr gelobt. Da steht eine Zwergenjurte auf dem Platz, die Stauneaugen macht. Nicht nur bei sentimentalen Damen, auch ihnen zuliebe Schicksalsergeben Mitgekommene wurden froh.
Die Salzblume soll gut sein. Durchschüttelnde Musik und leider akustisch schwer verständliche Worte mit der zerstörerischen Kraft der Pubertät. Und Heribert Dorsch hat die gleiche Haarfarbe wie ich. Und: Der Container wird heute noch viel rosaroter sein! Heribert kauft nämlich grade rosa Gaze. Eigentlich wollte er Gage kaufen. Aber Gage kann man nicht kaufen. Die kriegt man geschenkt.
Manchmal. Der Direktor ist ein Mann der kleinen Gesten. Zum Beispiel schlägt er nicht.
Kasper und Gaya machen im schönen Zelt schöne Sachen. Nämlich klassischem Repertoire immer wieder Seele einhauchen. Genau da sind sie daheim.
Hui, was ist denn das? Ein leichter Sommerregen ? Aus heiterem Himmel. PETRUS INKONTINENT! Das wär ja was. Wenn´s heute Abend regnet, kann ich Kollegen gucken. Dabei hab ich mich gestern schön gedreht. Ich wurde nicht als olle Kamelle enttarnt und die Leute mochten mich sogar! Und selbst ein ganz bedeckter Herr hat mir ein Kompliment gemacht und harten Alkohol geschenkt. Danke! Das ist ein nützliches Geschenk.
Mein Mann ist nämlich immer noch gemein zu mir. Aber er meint´s nicht so, zum Glück! Hach, im Grunde ist er ein ganz Süßer! Das behalt ich lieber mal für mich, sonst fummeln da nachher noch mehr schamlose Weibsstücke dazwischen... Und im Kostüm bin ich bewegungseingeschränkt. Aber schaut gut meine Stiefel an, Ihr Schlangen! Und dann wägt ab, was Euch die Kniescheiben wert sind.
So, jetzt verwandele ich mich wieder in die Philanthropin, die ich bin und warte auf Euch.
Oh, keine Angst, ich will nur spielen!
(Anm. o. Red.: "Ich will nur spielen" ist klar durch Blümchenpop als bon mot entwertet und unbrauchbar gemacht. Aber stellt Euch vor, man könnte ausgehöhlte Worte wieder mit Bedeutung füllen und dem Kulturschatz wiedergeben… Werden dann Hundertwasserhäuser irgendwann wieder bewohnbar sein? Frida Kahlo eines Tages etwas anderes erzählen als Warhols Marylin? Ist denkbar, dass profane Zeit mit Schaubude zum Beispiel aufgefüllt wieder zu Leben werden kann? Spannend!!! Wir bleiben dran.)

Bis später, Kerstin

 

Dienstag, 11. Juli 2006

Sodann, liebe Leut, heissa!
Der Schaubudensommer steht auf der Schwelle, für manch ehrenamtlichen Nepper, Schlepper, Bauernfänger ist er gar schon kraftzehrende realitas.
In muffigmorschen Stoffbahnen begraben staubige Gerüste abzuklappern verspricht Grenzerfahrung pur inmitten dieser verschlafenen Stadt. Und panierte Hände.
Ach, Fachchinesisch... Für Euch ist vielleicht nur das interessant:
Das Programmheft ist da!
Und es ist JETZT SCHON in der Scheune zu erwerben.
Ich glaub zwar nicht, dass das tatsächlich einen Hype auslöst.
Der Dresdner kommt ja doch frühestens am 18., aber bedenke er: Wenn die Hefte JETZT SCHON angeboten werden, sind nachher am 18. keine mehr da ?! Also ran an die Buletten. Und, wer weiß, vielleicht krieg ich die eine und den anderen von Euch dann schon am 12. in die Finger. Da geht´s nämlich los! Und die Eröffnung am Mittwoch Abend wird formidable und mit echter Big Band gesüßt!
Die Compagnien Buffpapier und Pumcliks und die Flunkerproduktionen sind in der Stadt - Autogramme für die taufrischen Programmhefte jagen IST MÖGLICH!
Und Kasper und Gaya haben so ein schönes Zelt, dass ich nur immerfort andächtig staunen kann und Seepferdchen mir in den offenen Mund fliegen. Und Quallen und Sägefische und Seesterne von Christopher H. Simpson; er macht Zielwerfen damit, er hat ja genug davon.
Dieser Künstler war nämlich kürzlich bei "sea life" (unterstützt von green peace oder world wildlife fund oder Brot für die Enten, ich weiß nicht genau). Und jetzt materialisiert sich auf dem Schaubudenplatz, was er in dem JETZT BEREITS verkäuflichen Schaubudenprogrammheft noch in zartem Aquarell skizzierte...
Die Texte dazu stammen übrigens von mir. Über ihre Qualität können wir gern mal bei einem Mixgetränk diskutieren, besser bei Wodka, dem treuen Sklaven des Vergessens.
Aber einer ist dann doch gelungen, der erste! Das ist ein Gedicht. Metrik vernachlässige ich MIT ABSICHT. Das Gedicht ist gut, aber es sieht linksbündig besser aus als zentriert. Ich kann das gerne mal demonstrieren:

Der Rücken der Bühne
kennt traurige Augen
und Schweiß
der fiesesten, miesesten Art.
Das Brusthaar der Bühne
hat lockende Spannkraft,
ist wirrwilder Moschus,
zehenkräuselnd und zart.
Die Wimpern der Rampe
schlagen Pfauen zu Rädern.
Die Fußspitzen
bohren sich in den Sand.
Das Rückgrat der Zelte
sind undeutbare Träume.
Das Herz halbgegart
mit Senf in der Hand.
Ein schrilles Gewisper,
ein Schmerz, ein Rumoren,
die ganz große Liebe.
Ich hab was verloren.
Was war´s denn?
Och, nichts.
Vor Glück der Verstand.

Jetzt vergleicht das mit dem Programmheft, Ihr werdet mir Recht geben müssen.
Warum wird dieser Text von keinem anderen in dem Programmheft getoppt? Warum wird das Glück sich uns in diesem Jahr von keiner neuen Seite zeigen? Warum, mit anderen Worten, bin ich zwar Fortuna in Person, aber zur Zeit eine Kerstin, die ihren unglamourösen, für passioniertes Dahingestöhne in wilden Liebesnächten gänzlich ungeeigneten Namen nur zu verdient hat?
Das geht Euch gar nichts an.
Das ist Berufsgeheimnis.
Da kann der Direktor zehn Mal sagen, Indiskretionen seien gut fürs Geschäft!
Nur so viel: Mein Mann vögelt mit anderen Frauen. Ich find das nicht, ich finde gar nichts mehr, wo hab ich bloß - ach ja, das bin ja ich.
Das Glück. Wenigstens muss er jetzt selber Wäsche waschen.
Was wollte ich - ach ja.
Das Glück. Also, wie wär´s, Ihr Verlassenen und Getretenen, Ihr frisch verguckt und Frischvermählten, Ihr Drögen, Klaren, mit sich im Reinen Eingemachten -
Wollen wir´s wagen? Ein Rausch, ein Kuss von kessen Lippen, ´ne flotte Sohle auf Parkett, einmal der Kunst das Händchen halten, der Morgentau das Ruhebett?
Stürzt Euch hinein in zärtliches Vergnügen, Vertrautheit, Wildheit und Befremden auch.
Das Leben hat keinen doppelten Boden. Schwimmt mit den Wellen, unsere erträumten Netze fangen uns auf!
Ich bin ja auch befangen.
Ich komme trotzdem.
Also was?

Bis später, Kerstin

 

Mittwoch, 28. Juni 2006
Ein Herbst, ein Winter, ein sehr langer Winter, ein paar brennende Tage (macht das schon einen Sommer?), ächzend und krachend dreht sich das Gebälk der Zeit und bald, bald, bald ist es so weit:

Vom 12. bis zum 21. Juli erwärmt sich hinter der Scheune die Luft und steigt, hebt die Zeltstadt empor in heiße Atmosphäre!

Wieder werden die Straßen voll sein von auswärtigen Kfz-Kennzeichen und herum flatternden boarding cards; es erscheinen schillernde Gäste wie Jango Edwards und Peter Echo, von deren Pranken geleitet die Narretei ins 21. Jahrhundert trat. Aus Österreich kommen hupfende Irrwische und die blutjungen Schweden - Sirqus Alfon!

Auch Dresden protzt rechtmäßig mit der großen Annamateur und DEREVO, den freien Radikalen unserer Tanztheatermetropole.

Wir werden unter fliegenden Seepferdchen küssen und mit Freunden zärtlich sein. Die Theatergrößen von morgen früh kommen aus den staatlichen Brutkästen der Hauptstadt und von der See! Wir fliegen unter kritish zu nennenden Umständen und stürzen ins Paradies.

Clownerie & Musik & immer wieder die Liebe! Zeugt hinter den Zelten die Schaubudenschauer der Zukunft, dass wir weiter träumen wie der Mann, der nicht aufwachen kann.

Oder verlasst eure Männer, Frauen und Kinder, verkauft euer Gut, folgt uns und gebt uns euer Geld - seit diesem Jahr gibt es dafür sogar eine Spendenbescheinigung. Denn die Schaubude Dresden ist jetzt e.V.. Dem Unbill der Kulturpolitik entgegenzutreten, ermöglicht die Fördermitgliedschaft!

Die Tage vergehen, Stunden, Minuten, schwitzende Männer, inspirierte Weiber reißen sich für uns alle den Allerwertesten auf und bald, bald, bald sehen wir uns wieder und erleben, wie unverzichtbar es ist: Das wahre, das trügerische, das Schaubudenglück.

Kerstin

 

Sonntag, 25. Juni 2006
Zu einem Fixstern im sommerlichen Kulturleben der Region mit weit über 10.000 Besuchern hat sich in acht Jahren der "Scheune-Schaubudensommer" entwickelt. Im und um das Kulturzentrum Scheune verbindet das Festival alljährlich Geselligkeit auf dem einladenden Festplatz mit dem Angebot von "Shows" aller Art in Buden und Zelten, wobei das heute kaum noch bekannte Schausteller-Ambiente zitiert und immer wieder neu interpretiert wird.

Bei der 9. Auflage von Mittwoch, 12. bis Freitag, 21. Juli präsentieren die Schaubuden-Macher internationale Künstler wie beliebte lokale Acts in allen Genres und Sparten der Kunst: Das Publikum darf auch in diesem Jahr gespannt sein auf wilde, unangepasste und originelle Vorstellungen von Künstlern aus zehn Ländern. Unterhaltung im besten Sinne, die unwillkürlich den Blick für Schönheit und Dramatik aufschließt.

Zu den Highlights 2006 zählen die Dresdner Premieren vom "King of fools" Jango Edwards mit seinem Partner Peter Echo (USA), von Fratelli Fiasco (F) und dem Theater Irrwisch (Österreich). Aus Schweden kommt der Sirqus Alfon, die Theater- und Musikgruppe Buffpapier/Pumcliks aus der Schweiz. Teatr La Pushkin (RUS / HUN) ist international besetzt. Nicht fehlen dürfen die beliebten Festival-Stammgäste Debbsch & Lebbsch, Panisches NOTtheater, DEREVO, Annamateur + Wunderkinder, Jim Whiting (GB) oder die Clowns Kaspar & Gaya. Die HerZZ-Bühne läßt "Kritish Airways" wieder fliegen, Hans Krüger die Zeiten von "Zinnober" wieder aufleben. Von der Hochschule Rostock und der Ernst Busch Schule kommt der Schauspiel-Nachwuchs zum Schaubudensommer. Weitere Überraschungen sind wie immer garantiert.

Erstmals wird in diesem Jahr das gesamte Gelände rund um die Scheune einbezogen in die schräge, detailverliebte und im besten Sinne merkwürdige Atmosphäre. Somit wird mehr Platz geschaffen für alles, was den Scheune-Schaubudensommer ausmacht: eine temporäre Werkstatt, ein Netzwerk aus Künstlern und Publikum vom Teenager bis zum Rentner, kurz: ein beglückendes Ereignis.

Schaubuden-Besucher beteiligen sich erstmals mit einem Euro Kulturbeitrag beim Betreten des Scheune-Geländes an den Kosten. Sie helfen dadurch nicht nur mit, die Existenz des Festivals auch in Zeiten knapper öffentlicher Kassen und der bevorstehenden Privatisierung des Hauses zu sichern, sondern bekommen allabendlich im Festival-Café bei der Mitternachtsshow immerhin die "Dresdnerin des Jahres" Anna-Maria Scholz alias Annamateur zu sehen – umsonst und draussen.

Die Eintrittspreise für die Shows bleiben stabil: 4,- Euro für eine und 10,- Euro für drei Vorstellungen, Kinder zahlen 2,- Euro.

Archiv 2005