BRANDNEU 2007!

Nachtrag vom 31.07.2007:
Anwohner des Scheuneareals berichten in den letzten Tagen von Krambambuli-Halluzinationen und träumten nachts unruhig vom Dauerschaubudencamp.
Wir können hiermit alle Betreffenden beruhigen: Nein, das waren keine Halluzinationen am letzten Sonntag!
Technik-Falk wollte es noch einmal wissen, erstand Grillfleisch beim Lidl, machte letzte Original-Schaubuden-Würstel ausfindig und lud noch einmal sein Team unter dem Vorwand des Rindenmulchzusammenkratzens hinter die Scheune. Sein wahres und aufrichtiges Ansinnen aber war: Feiern. Aus Sibiu mit entsprechend wild-rumänischem Wetter zurückgekehrt, spielte er den Grillmeister. Der Direktor ließ sich Bauchspeck, Zucchini und Lammwürstel in den mund fliegen. Und die Direktoren-Gattin ließ Sächsischen Zechwein fließen.
Annamateur roch den Braten und schwebte vom Sommersturm getragen heran, sie zeigte erste musikalische Dressuren mit ihrem Sohnematz.
Sie versprach mir hoch und heilig, noch zwei davon zu machen, damit sich Kaspar nicht langweilt. Dieser saß derweil seelig im weißen Plaste eines Monoblocks und monologisierte in die Lagerfeuerglut.
Ein windiges Tiefdruckgebiet wirbelte über den Schaubudenplatz und jagte Funken durch die Sonntagnacht. - Funken und Regen - anscheinend ein Ambiente, das die Allwettermusikanten von Krambambuli herausfordert. - Nachdem sie der Tresenkraft in der Scheune-Lounge ein Ständchen gebracht hatten, zog es sie zu uns in die Lagerfeuerrunde. Inmitten von Lagerfeuerrauch, Funkenflug, Wind und Regen spielten sie all die Schaubudenklassiker, die uns in den Beinen zwicken und die Herzkammern zum Schunkeln bringen.
Neben dieser wetterfesten Musikdarbietung, Nachwuchsjazz und Funkentanz gab es hübsche Tiernummern: Sebastian präsentierte den Fliegenden Hajo, der unter anderem auch auf die Namen Rüdiger Nehberg, Reinhold Messner und Luis Trenker hört. Bastard und Minnie erwägen das Beißkraftwunder übrigens in ihre nächste Show aufzunehmen.

Der Direktor schmunzelte, zog sich seine Wetterjacke über und hub an von den alten Zeiten zu berichten. Ja, es gab eine Zeit, da war der Direktor noch ein sehr junger Direktor und zettelte in und um Senftenberg wilde Jazz-Orgien bei Verdunklung und Kerzenschein an, ja, da gab es Polizeiaufmärsche und Silbermannorgeln wurden eigens für des Direktors Feste über Land gefahren. So war das damals. - Ja, der Direktor ist schon ein Tausendsassa!
Als er dann vom schweren Winter 1956 berichtete, dem Winter seiner Geburt, in dem er zum ersten Mal unter Beweis stellen mußte, was für ein zäher Bursche er ist, das leuchteten unsere Augen, ob Kind, Mann, Frau oder Hund klebten wir an seinen Lippen und konnten nur staunen...

Tja, liebe Schaubudengemeinde! Träumt was Schönes, fahrt in' Urlaub! Oder geht mal durch die Heide, habt ne schöne Zeit! Übrigens läßt cocoloco aus Island grüßen - die Geysire sind toll!

 

Montag, 23. Juli
Der letzte Krümel SchaubudenSommer ist nun von der ScheuneWiese geharkt, Technik-Falk und seine Mannen haben binnen einer Woche sortiert, zusammengefaltet, gestapelt, abtransportiert, geschraubt, geharkt, getragen, verpackt. Zwischendrin haben Künstler ihre Wunder eingewickelt und sind von dannen gezogen. Manche eilig auf dem Weg zum nächsten Festival, andere zögerlich, weil sie nicht lassen konnten ...

Selig saß der Direktor in der letzten Nacht über dem SchaubudenHimmel, schwebend in Cesars Wolken aus weißem Fahnenstoff, schmunzelte in den Morgen und vergessen war der Direktorengroll vom Vormittag: Er hatte sich vor mir aufgebaut und verlangte eine Erklärung - der letzte Tagebucheintrag wäre vom 12.7., ob es denn nichts zu berichten gäbe, zum Donnerwetter! Schließlich wurden solche Berühmtheitenwie Rolf Hoppe über den Platz geführt, der Schauspieler-Dinosaurier verabschiedete sich bei Herrn Böswetter mit der Ankündigung, im nächsten Jahr selber eine Bude zu bespielen.

Petrus hat uns einen Hitzefestivalabschluss beschert, damit wir auch alle Getränke verkaufen konnten. Das himmlische Schlitzohr! Und dann hat er uns das göttliche Zertifikat verpasst: "Prüfung bestanden. Bei jedem Wetter möglich."
Danke Petrus. Leider kann ich einen Kratzer auf meinen Stimmbändern nicht verhehlen.

Ich sitze in meinem Garten und kichere in mich hinein, der SchaubudenSommer hat mich gesund gemacht. Und dafür danke ich besonders dem Direktor und euch allen, ihr Verrückten! Auf der Bühne, unter, hinter und neben den Buden!
Schaubude ist Lebenssaft, wer ihn gekostet hat, der hat Sonne getrunken und ein gerüttelt Maß vom Destillat der Nacht!

Ich kann einfach nicht alle aufzählen, ihr seid einfach zu viele - fühlt euch einfach alle angesprochen, in meinem Kopfkino ziehen eure Bilder an mir vorbei: Kaspar und Gaya, ich bin an einem Nachmittag in euer Zelt geschlichen, ihr habt eine Sondervorstellung für 5 Kinder gegeben, ich habe mich scheckig gelacht und war selbst wieder ein Junge von acht Jahren, zurückversetzt in eine Zeit, die vergessen scheint, wenn ich durch unsere Städte laufe. Dann habt ihr am Samstag den Saal erobert, weil Tom Quaas erst um 22.30 konnte, habt euch schlitzohrig in Clownsmanier die Treppe hochgeschlichen und das Publikum mit eurem Blendwerk angelockt.
Der Tom Quaas und seine Berner Recken haben ihr Stück völlig umgebaut, weil viele gewogene Zuschauer den Saal recht ungewogen verlassen hatten. "Naja, eine Niete ist immer dabei", raunte mir der Recommandeur zu. Aber so was lassen echte Berner Recken nicht auf sich sitzen und auch kein Tom Quaas, logisch ... am letzten Abend schmuhlte ich in die Garderobe, die lagen sich in den Armen und waren froh. Das erwärmt das Schaubudenherz.
SchaubudenSommer - ein Experimentierspektakel!
Die Herzzbühne hat mir geschrieben, die dürfen jetzt mit ihrem Schaubuden-Caligari in der Bundeshauptstadt auftreten. Na, toll!
Frei und Willig haben auch geschrieben, sind glücklich, die beiden, und danken dem Dresdner Publikum - vielleicht erreicht das auf diesem Wege den einen oder die andere - das könnt ihr dann gern weitergeben an die anderen 12999.
Ziegen-Susi hat sich vom Zuckerwatte-Geld ein Ticket nach Barcelona gekauft und fährt jetzt den Tourbus von Putsmarie, ... ja ich sehe da viele neidisch-schnippische Gesichter - aber Mädels, die Susi war halt schneller! Da ich selber nicht in Barcelona sein kann, habe ich mein T-Shirt verschenkt und das rühmt sich nun, auf der Bühne vom Putsmarie-Sänger beschwitzt zu werden.
Kitschnette sendet Eierkuchengrüße aus Südfrankreich. Cocoloco aus Belgien. Galumpha aus Moers. Cesar aus Berlin. Christopher winkt wir vom Fahrrad zu auf dem Weg zur Blauen Fabrik. Ziegenbärbel füttert meine Katzen - danke. Technik-Falk bastelt Wunder in der Europäischen Kulturhauptstadt Sibiu. Das Institut Fatalia ist auf mystischer Mission in Österreich. Herr Felgentreu sortiert in Babelsberg Koffer und wird dabei kräftig von Herrn Böswetter und Locci unterstützt. Orto-Da fährt quer durch Europa und Micha Hatzius dreht einen Film. Die Flunkerproduktionen bringen eine CD raus, hurra! Bastard und Minnie - ich habe eure Pistole dem misteriösen Waffenhändler zurückgebracht, mir war ganz mulmig mit der Knarre in der Tasche.
Heleen nahm ihren Anton und verließ  Dresden wie eine traurige Marlene Dietrich. Annamateur ließ in Halle die Burg Giebichenstein erzittern. Lutz Fleischer sucht seine Sonnenbrille und den Kuli mit der nackten Frau.
Was machen die Zärtlichkeiten eigentlich grade? Und Gold-Elke?
Unsre Peepshow hatte ihr erstes Auswärtsspiel - das Motto hieß "Guten Morgen Eberswalde", schräg: früh um zehn Peepshow auf dem Marktplatz.
SchaubudenSommer kommt mir manchmal  vor wie eine große Bonbonkanone, nach zehn Tagen knallt sie und auf der ganzen Welt verstreut kosten dann Menschen von den süßen, bitteren und scharfen Leckereien, die hier zubereitet wurden.

Was bleibt noch zu sagen: Musik, Verrücktheit, feiern, wild sein, virtuos und waghalsig - all das macht glücklich, steckt an und heißt lebendig sein.
Machs gut, Schaubude, du verlotterte Hure im Engelskostüm, ich liebe dich und wein dir keine Träne nach ...

PS. Der Direktor läßt ausrichten: Es gibt keinen SchaubudenWinter.

Love &  Chaos
Euer Hans Grimmig

 

Mittwoch , 11. Juli
Gestern war Bergfest, naja, blödes Wort - das hieße ja, es geht von nun an bergab. Ich sage lieber Talsohle, Flußbett oder Hängematte. Und diesen Eindruck machte dieser Dienstag auch: Ein grauer Tag, der gar nicht hell werden wollte vor 19.00 Uhr. Überall müde, erschöpfte Künstler und Techniker - sogar Tom Murphy hat sich gehen lassen und lag zerflossen auf einem Sofa im Festivalclub, naja und sein Manager, die Personalunion mit dem Galumpha-Manager - kein Kommentar. Selige Menschen zwischen Schaubuden, die des Tags so ungeschminkt und verlottert dastehen ...
Unermüdlich dagegen Jim, der hatte seine Lötstube im Festivalclub aufgebaut und konnte an seinem Motor herumbasteln, auch gab es den Wunsch, dass seine Seilbahn schneller fährt, was wieder der Bardame zu windig im Nacken war ... so hatte Jim den ganzen Tag zu basteln.
Kaufmann und Co sind angekommen, ich konnte gar nicht herausfinden, wie ihre Küchenschlachten liefen, sie waren nirgends zu sichten, aber die waren ja schon beim Schaubuden-Winter FrühinsbettgeherInnen.
Ein Vertrauter berichtete mir, dass Galumpha noch mehr begeistert hat, als am letzten Abend.
SCHÖN.
Putsmarie hat sich verabschiedet.
SCHADE.
Und Gold-Elke war in unserer Peep-Show.
SCHARF.

Ich habe den Abend ausschließlich in der roten Schummer-Atmosphäre unseres Etablissments erlebt. Ein kleiner Kosmos. Menschen, die mal zitternd, mal kichernd, mal verkrampft, mal cool zu uns hereinkommen. Gespannte Stille, die durchzogen ist mit Fetzen von "Johnny be good", Heavy Metal Klang-Beispielen, Direktor-Rufen, vom Heulen der Eismaschine und Tom-Murphy-Pointen. Diese Soundcollage scheint ein dunkel-schummriger Abzug aller hier anwesenden Klänge zu sein, der einem ins Mark fährt wenn Lutz Fleischer auf seinem Tempel den Beschwörungshammer schwingt.

Okay, ihr süßen, wir sind in mitten drin in der Hälfte des Schaubudensommers und wir versprechen euch für diese Zeit wie immer den Himmel auf Erden.

Was ihr schon verpasst habt:
Peter Shub, Paul und Willi, die Gosh Brothers, Hans Krüger, das Felgentreu-Grünmeffert-Theater, Klaus Renzel.
Beeilen müßt ihr euch, um Kitschnette und "Romeo und Julia in der Küche" von Kaufmann und Co und Tom Murphy zu sehen, denn die spielen heut zum letzten Mal.
Eierkuchen-Vera war ganz traurig gestern und flehte herzerwärmend, doch nächstes Jahr bitte wiederkommen zu dürfen. Da muß ich mal den Direktor fragen.

 

Dienstag, 10. Juli
Jim Whiting ist wieder da und hat seine Hemdenseilbahn wieder repariert! Allerdings hat er ein blaues Auge; einer seiner Roboter hat ihm in Bimbotown das Knie ins Gesicht gerammt. Er hat anscheinend ganz schön zu kämpfen, um seinen Maschinenzoo zu zähmen ..
Er hat die Leute von theatre of hell mitgebracht und im Ziegenhotel untergebracht, die Ziegen waren etwas verwirrt. Dafür gabs einen Kurzauftritt als Bezahlung.

Die Galumphas habe ich verpasst, aber der Direktor war sehr zufrieden und ihr Manager hat hat sich sehr auf dem Platz amüsiert, er war der erste Gast unseres gestrigen Peepshowabends und brachte unseren Wohnwagen zum Kochen, solche animalischen Potenzen setzt er frei. Er ist dann auf einem Sofa eingeschlafen, später hat er es noch bis zu seinem Auto geschafft, da ist er wieder eingeschlafen und früh um sieben ist er dann in seine Pension gelaufen. - Manager - ein harter Beruf.

Neben uns war Tom Murphy auf Pointen-Jagd und mußte die Leute in seinem Zelt stapeln.
Meine Lieblinge sind allerdings Helen und Trevor von cocoloco, als Alice-Zwilllinge tappeln sie über den Rindenmulch und beglücken die Zuschauer nicht nur mit Wort und Tanz sondern auch mit lustigen Tiervideos. Unsere goldige Elke hat leider die Mad And Ugly Show nicht gut vertragen, immer wenn Trevor mit dem Löffel in seinem Gehirn rührte, wölbte sich ihr Magen. - Nehmen wir das mal als Qualitätsbeweis für diese Vorstellung.
Wer hat Caligari gesehen? Gebt mir Informationen!
Der Heavy Metal Vortrag von ZmF soll sehr aufschlussreich sein, im Festivalclub kam es zu Verhandlungen mit Putsmarie - einziger strittiger Punkt bisher: wer ist dann von wem die Vor-Band.

Heute mache ich  mich auf die Suche nach den verliebten Schuhen von Katinkaspringinsfeld.

Aber erstmal muß ich zum Finanzamt, die spinnen doch!

 

Samstag, 07. Juli 2007
Ich glaube, Technik-Falk war gestern stolz auf seine große Treppe - die war kurz vor zwölf voller Leute  und oben drüber thronte Lutz Fleischer vor seinem japanischen Tempel. Er wünscht sich allerdings mehr Besucher. Ich gebe das hier mal wertfrei weiter.
Dabei zog punkt acht ein Sturzregen samt Sturmböe über den Platz. Bange sah ich den Direktor an, aber der blieb völlig ruhig - der hat eben schon alles einmal durchgemacht und viel Erfahrung ... hat in seinem Leben so vielen Stürmen und Unbillen getrotzt. - Sogar den Trafobrand, den Jim Whiting uns telepathisch aus Bimbotown sandte, registrierte er mit souveräner Gelassenheit. Ein Mann wie ein Stamm an den man sich vertrauend lehnen möchte, wenn man nicht mehr weiter weiß ...
(er mag das gar nicht, wenn man so viel über ihn spricht, drum ...)
Apropo brennen: Bei Bastard und Minnie brannte die Luft, um Mitternacht boten sie die heißeste Show des Abends. Das ist Schaubude at its best! im Publikum machten Würgegeräusche die Runde, als Tommy Coopers Bastard mit dem Schwert in seiner Speiseröhre rührte und Käsereste von seinem Magenpförtner zum Vorschein brachte. Man weiß nicht recht, ob man jubeln oder erbrechen soll.

Heleen wurde ein Schuh gestohlen, die Liebeskönigin aus Amsterdam ist stinksauer. Leute, so gehts nicht! Natürlich verständlich, dass ihr euren Stars die Klamotten vom Leib reißen wollt. Aber Damenschuhe Größe 44 sind echt rar und echt preisintensiv. Also, wenn ihr euch nicht mit Geld-Elke anlegen wollt: Rückt den Schuh wieder raus!
Wir saßen noch lange im holländischen Glitterzelt und Heleen trauerte den alten Zeiten nach, schaut doch heute abend mal bei ihr vorbei und tröstet sie ein wenig.
Heleen, wenn du auf der Bühne stehst, dann ist das Hier und Jetzt die beste aller aller Zeiten!

Von wegen Nostalgie: Die ersten Abschiede gabs schon. Tschüss, Paul und Willi, tschüss Peter! Weinend stehen sie am Bauzaun und lassen eine Träne in den Rindenmulch klecksen und wollen nächstes Jahr so gerne wiederkommen.

Für die Fans:
Heute kommt Annamateur, zusammen mit den Zärtlichkeiten und dem Blasrohrvirtuosen Jan Heinke.
Außerdem wurde Nils Dümcke von Grotest Maru beim Frühstück gesichtet.
Und Augen auf! Die Peepshow macht heute auf. 

 

Freitag, 06. Juli 2007
Anscheinend macht Schaubude glücklich und verdunstet Kummer, selbst bei diesem Wetter. Jedenfalls bin ich heut seit Tagen mal wieder ohne Depressionen aufgewacht. Dabei war ich nach diesem ersten Abend genauso aufgeweicht wie der Platz, aber ihr lieben Dresdner seid gekommen trotz Regen, trotz Wind.

Der Direktor hat eine Geschichte aus seiner Kindheit erzählt; die Geschichte von der Geburtsstunde seines Schaubudenfiebers. Sie spielt in der grauen Stadt Lauchhammer, wo der kleine Direktor zwischen grauen Tagen und Häusern lebte. Doch eines Tages stand plötzlich ein großes Zelt auf dem Marktplatz von Lauchhammer-Mitte, fremdartige Leute mit dunkler Haut hatten es da aufgestellt. Ein Schild vor dem Zelt kündigte einen großen Wal an, den man darin bestaunen konnte. So wandelte der kleine Direktor in diesem Zelt herum und besah sich das riesige stinkende Tier - mit gemischten Gefühlen wie alle Leute aus Lauchhammer: angeekelt und verblüfft zugleich.
Einige Tage stand dieses Zelt mit dem Wal und den fremdartigen Leuten in Lauchhammer-Mitte herum. Und nachts schwebten fremde, aber heitere Klänge von dort zu den Lauchhammeranern herüber - die Fremden feierten, machten Musik und tanzten.
"Eine feine Art zu leben", dachte sich der kleine Direktor. "Du fängst dir einen alten Wal, stellst ihn in einem Zelt aus, gegen Eintrittsgeld kann man ihn anschauen und bestaunen. Und nachts wird gefeiert und getanzt. Das ist ein Leben..."
Das hat mich bewegt.

Mit diesen Gedanken im Kopf, landete ich in Loccis Schaubuden-Museum und wollte gar nicht mehr raus aus der Vergangenheit, ein Leben in Schwarz/Weiß und Sepia.
Doch da dröhnten und hämmerten schon die Ölfässer auf der Alaunstrasse, die den SchaubudenSommer eintrommelten.
Alles ging so schnell, noch eben hatten wir gehämmert Der Stark-Regen, den Geld-Elke bestellt hatte (der einfach preiswerter zu kriegen, als die begehrte Julisonne), wusch den Originalschriftzug der Gosh-Brothers fort, den ich grade ans La Luna gezaubert hatte und plötzlich wars um acht, Leute waren da und haste nicht gesehen hopsten wir zu den Songs von Les Haferflockensingers im Festivalclub.
Einige Bild- und Tonfragmente kann ich noch rekatapultieren:
Das Zelt von den Gosh-Brothers war zweimal voll. Wie machen die das bloß immer, das Publikum liebt sie und das Zelt wippte im Takt.
Der Platz war mir dann irgendwie zu nass, drum setzte ich mich zu Peter Shub ins Trockene. Ich saß neben dem einzigen minderjährigen Besucher der Show, übrigens der sechsjährige Sproß einer stadtbekannten Sängerin. Die beiden haben die Show dann zusammen geschaukelt und sich die Pointen nur so zugeworfen, als würden sie das jeden Abend tun. Die Show um 21.30 Uhr, die Peter allein gespielt hat, soll aber auch ganz gut gewesen sein.
Dann immer wieder eine schwarz-weiße Katze, die mir um die Beine schleicht.
Eine Menge über Puppenspiel und Überhöhung kann man bei Hans Krüger und MichA Hatzius lernen. Die Luftfeuchte nimmt während dieser Vortellung extrem zu, nicht wegen des Regens, sondern vor allem feuchte-Aussprache-bedingt.
Der Abend ging irgendwie schnell zu Ende, rauschte in fast-forward an mir vorbei ...

Schade, dass Les Haferflocken Swingers schon wieder losfahren. Ich hab nicht mal geschafft, mir die Telefonnummer von der Schlagzeugerin geben zu lassen.

Heut schau ich mir Theater Magica an (die bekommen zusammen mit Salon Chevreaux übrigens von mir den Schönheitspreis für Ihre Bude) und hol mir einen Eierkuchen bei Kitschnette ab, und jetzt mach ich noch einen Schönheitschlaf, bis der Direktor kommt.
Schaut heut abend mal vorbei, Schaubudenkunst ist so flüchtig und scheu, was sich heute blühend im Schein eines Scheinwerfers oder einer Kerze zeigt, kann morgen schon wieder verschwunden sein,

Noch eine Kurzmeldung aus den Spiegel-Nachrichten:
Anhängliche Haustiere sind mitunter zu Höchstleistungen fähig. Wochenlang harrte eine Katze ohne Nahrung und Wasser in einem Container aus, der per Schiff von Hawaii nach Kalifornien unterwegs war. Die entgeisterte Besitzerin traute ihren Augen kaum, als sie den Behälte öffnete.
BITTE, liebe Schaubudenbesucher, lasst Cesar nicht den Beweis antreten, dass auch Menschen zu so einer Leistung fähig sind, lasst ihn dort nicht alleine!

Euer Hans. 

 

Samstag, 30. Juni 2007
Hey, Dresden, du schöne Muffeltante!

Es ist schon dunkel, die Party wabert in die Neustadt an mir vorbei -
während ich auf meinen Berg am Rande der Stadt trotte. Für ein Dutzend wackerer
Männer und Frauen geht ein Aufbautag zu Ende. Ja, Kunst ist schön, macht aber Arbeit.
Bei Fisch-Tikka und Chicken-Korma, brennen ihre etwas müden Sonnengesichter, der Direktor
spielt mit dem chilenischen Stoff-Drappeur Schach, bietet ihm aber großherzig ein Remis.
Ein bewundernswerter Mann, unser Direktor, stets um gutes Klima und Motivation bemüht.
Aber dennoch:
Die Showtreppe ist immer noch nicht fertig!!!
Und wo ist eigentlich Heiko? - Nun sind so viele Akku-Schrauber da, aber der Heiko ist weg!
Heute habe ich mit eigenen Augen gesehen: Es gibt sogar eine Blechschere auf dem Platz.
Es gibt so viel zu entdecken.
Zum Beispiel, das unterliegt eigentlich der Geheimhaltung, hat der Direktor heute ganz schön
geschludert, aber laut BILD-Zeitung, die der Koch für alle Fälle jeden Tag für uns bereithält, ist daran
eigentlich der Mond schuld ... Hätte mich auch gewundert, unser Direktor - ein Schluderjahn - nein, das
geht selbst in einem Verein nicht!!!

Der Koch für alle Fälle ist übrigens, abgesehen von der Bildzeitung, ein ganz netter Kerl, er macht super
Pommes, die auch richtig gut aussehen. Heute hat er sogar das Gespräch gesucht und und sich unsere
Wunderschaustelle angesehen - er war richtig stolz, dass er für uns kochen darf. Wir hatten überhaupt netten
Besuch heute, als alle satt waren, kam Scheune-Adam mit Wiener Würstchen von der Metro, er hat richtig Fee
gespielt, ganz gut eigentlich, übt aber noch ...

Dann kam der Mann für alle Fälle vom hiesigen Puppentheater und half den Ziegenstall bauen. Ja,
ihr habt ganz richtig gehört: ZIEGENSTALL. Überraschung! Ihr werdet staunen, was es alles gibt..
Ich sage nur: Das Spiegelkabinett kam heute auf sechs Rädern gefahren, hat jetzt eine Gesäßheizung und eine
Rundumleuchte obendrauf ...

Technik-Falk hat wieder Unmengen Latten gekauft, ich kam mir vor wie in ner Freiluftschreinerei, echt, alles
voller Späne, schade, dass wir so wenig Tiernummern haben.

Ich selber seh dem allen zu wie durch eine Milchglasscheibe, seit Tagen schon.

Herzeweh und Schwerenot,
macht mich mich nicht so müd,
Budenzauber - brenne
deine Wunderkerzen in mir ab!

Bastard hat wieder geschrieben, schreibt mir fast jeden Tag, der Freak, der kann es kaum erwarten -
ich auch nicht.

Bis denne - der Hans.

 

Freitag, 29. Juni 2007
Der Direktor meint, es sei wieder soweit.
Mit einer schweren Eisenkugel hat er mich an den Computer gebunden.
Meine Hände berühren zitternd die Tastatur - zehn Jahre SchaubudenSommer - das ist ja schließlich nicht irgendwas - und dann immer der Vergleich mit Kerstin ...
Aber ich sag mir: Hans, was kann dir schon passieren?

Liebes Tagebuch, hallo ihr einsamen Netzwandler!

Wir schreiben den 28.Juni im zehnten SchaubudenJahr - der Direktor steht wie ein Dirigent vor einem Balken, der mal eine Treppe werden soll und versucht, dem Technik-Falk zu erklären, wie man so eine Showtreppe benutzt, nämlich schwebend, irgendwie elfisch.
Darauf kauft Technik-Falk (ganz nach Hellerau-Methode) wunderschöne Balken - so war das nicht gemeint! Nun zieht Geld-Elke dem Direktor das von seiner Tagesration ab.
Wir sind jetzt nämlich ein richtiger Verein, plötzlich darf jeder was sagen,  sagt der Direktor. Aber man kann Kaffee trinken oder Bionade.
Verein-Sein kann ganz schön ablenken, echt.
Ich lief heute rum wie Falschgeld, wußte gar nicht recht, was ich anpacken soll, dabei ist doch so viel zu tun, hm. Ich habe Müll aufgelesen, lauter Kaffeebecher aus togo.

Dann kam Lutz Fleischer vorbei; und das ist eine wirkliche Neuigkeit! Lutz Fleischer, stadtbekannter Künstler, Einsiedler und Biergenießer, wird auf den Schaubudensommer ziehen - Gesellschaft!!! Ich freue mich, ich werde ihm zuwinken von meinem Wagenfenster.

Und was auch brandneu ist: Zum Beginn des SchaubudenSommers wird am 05.Juli um 20.00 die BLECHLAWINE über die Alaunstrasse rollen - richtig schöner Krach.

Nee, Leute, ich bin echt müde, die Eisenkugel drückt und außerdem treff ich mich morgen mit dem Direktor, um einen Ziegenstall zu bauen.

Gute Nacht.
Hans 

 

Montag, 11. Juni 2007

Jubiläum, Premieren und mehr denn je!

Hereinspaziert! Hereinspaziert! Zum zehnten (!) Mal öffnet der Scheune Schaubuden Sommer seine Pforten für Freunde des Vergnügens, der Experimentierlust, des Fremdartigen, des Außergewöhnlichen in einzigartiger Jahrmarkts-Atmosphäre. In elf (!) Nächten lädt das Jubiläumsfestival mit alten Bekannten und neuen Gesichtern zu Musik, Clownerie, Tanz, Theater unterschiedlichster Coleur, zu Absurditäten, Wundern und künstlerischen Gratwanderungen ein.

Neben Lokalmatadoren und Akteuren aus ganz Deutschland, die ganze Kleiderschränke voller Groß- und Kleinkunstpreise ihr eigen nennen, erwartet das Publikum Künstler, die sonst am Broadway, auf Zirkusfestivals in Paris, Montreal und Monte Carlo zu Hause sind. Solisten und Ensembles aus der Schweiz, aus Holland, den USA und Australien, aus Großbritannien, Frankreich, Tschechien und Israel reisen an, und haben keine andere Mission als die Gäste des Schaubuden Sommers auf den zahllosen Podien in Zelten, Buden, auf dem Festivalplatz und unter dem Dach des Scheune Kulturzentrums zu begeistern.

Zum Jubiläum präsentiert das Schaubuden-Urgestein Franz W. Lasch eine einzigartige Ausstellung mit Accessoires selbstdurchlebten und geerbten Schaubuden-Daseins, darunter Exponante aus den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, die weltgrößte Clownsnasen-Sammlung, Artistenkoffer, Fotos und Plakate.

Im Festival-Club finden sich allnächtlich die Nachtfalter nach der Mitternachtsshow zusammen um mit Musik bis zum Morgengrauen zu verweilen. Hier sitzen die Clowns mit verwischter Schminke, tanzen die Rastlosen und versuchen die Groupies Autogramme und Bussis abzustauben.

Neu: Am 08.Juli 2007 wird es einen Schaubudentag speziell für Familien geben, der Festivalplatz öffnet bereits um 15 Uhr und lädt zu einem Programm für Kinder und ihre Familien ein.

Als besonderer Höhepunkt darf wohl der Auftritt des israelischen Theaters ORTO-Da mit ihrem Stück "Stones" gelten - das Denkmal zur Erinnerung an den Aufstand der Warschauer Juden wird in dieser Vorstellung lebendig, Geschichte beginnt zu sprechen: in Körpern, in Gesten, in der Bewegung der Steine ...

Hereinspaziert! Lassen Sie sich verzaubern und fallen Sie in den zehnten Schaubudenhimmel!

X. Scheune Schaubuden Sommer
Kulturzentrum Scheune, Alaunstr. 36 - 40, 01099 Dresden
Donnerstag, 5. Juli bis Sonntag, 15. Juli 2007
Beginn: 20 Uhr, Einlass: 19 Uhr
Kulturbeitrag:  1 Euro (ab 20:30 Uhr)
Vorstellungen: 4 EUR (Einzelpreis) / 10 EUR (3er-Pack)

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